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22.05.2012 - 02:52 Uhr

Wir sind eins - ARD

Der Moderator Pierre M. Krause

»Wenn man Alltagsphänomene erklären will, kann man einen Moderator in ein Studio stellen und ihn erklären lassen, wie faszinierend es doch ist, was uns im Alltag da draußen für unglaubliche Phänomene begegnen. Aber das ist so ein bisschen wie Familienminister im Vatikan oder Arbeitsminister in Mecklenburg-Vorpommern … Wenn man aber Alltagsphänomene wirklich begreifen will, dann sollte die Sendung einfach da sein, wo die alltäglichen Phänomene auch sind: im Alltag.« (Pierre M. Krause)
Comedy ist sein Element: Unermüdlich entwickelt, schreibt, dreht, spielt und moderiert Pierre M. Krause, Jahrgang 1976, Comedy-Formate. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Bankausbildung sowie einige Semester an der Uni. Das Filmemachen reizte ihn aber schon immer deutlich mehr. Ab 2002 moderierte Pierre M. Krause für den SWR die wöchentliche Fernsehsendung DASDING.tv, die er mitentwickelt hat. Schon hier konnte er sein Comedy-Talent nicht nur als Moderator, sondern auch in selbst entwickelten Formaten ausleben.
"Kurz gefragt" und die Kindersendung "Tier hoch vier" waren erste Ausflüge in die ARD. Seit 2005 gestaltet und moderiert er im SWR Fernsehen die wöchentliche Show "SWR3 latenight". Für die Satiresendung "TV Helden" (RTL) wurde Pierre M. Krause 2009 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, die Sendung war außerdem für den Deutschen Comedypreis nominiert.
Seit September 2009 gehört Pierre M. Krause zum Team der Harald Schmidt Show (ARD).
Interview mit Pierre M. Krause über sein Leben und seine neue Sendung

»Mein Vermieter weiß nichts davon«

Warum braucht das deutsche Fernsehen ausgerechnet eine Sendung wie »Es geht um mein Leben!«? Was ist das Spezielle daran?
Weil »Es geht um mein Leben!« eine sehr schöne Sendung ist! Und das deutsche Fernsehen kann schöne Sendungen immer gut gebrauchen. Comedy-Sendungen gibt es genug, Wissens-Sendungen auch. Aber gute Comedy-Wissens-Sendungen gibt es wenige. Genau genommen kenne ich eigentlich nur diese. Was hier passiert, ist echt und echt lustig. Das sind keine inszenierten Reportagen und vom Teleprompter abgelesene Erklärmoderationen, das ist durch Neugier motiviertes, erlebtes Wissen. Und es ist immer irgendwie auf natürliche Art lustig. Eine sehr schöne Sendung eben.

Worum geht es denn so in Ihrem Leben?
Um Alkohol und Sex. Eben typisch für Fernsehleute. Das sind übrigens zum Beispiel auch zwei Sendungsthemen. Es geht aber auch um Religion, um Tiere und um Werbung. Es geht um viel. Es geht um mein Leben. Und um Ihres!

Woran denken Sie zuerst, wenn morgens der Wecker klingelt?
Ein Hoch auf den Erfinder der »Snooze-Taste«! Wer hat die eigentlich erfunden? Das wäre doch schon fast wieder ein Thema...

Welche Themen und Alltagsphänomene erscheinen Ihnen so geheimnisvoll oder phänomenal, dass es sich lohnt, sie zu »erforschen«?
Nahezu jedes »Alltags-Thema« birgt spannendes Potential in sich, wenn man sich näher damit beschäftigt oder sich einen schrägeren Denkansatz erlaubt. Für »Es geht um mein Leben!« habe ich beispielsweise versucht, vier Weltreligionen an einem Tag zu verstehen. Also Menschen zu treffen, deren Alltag durch den Glauben mitbestimmt wird. Dazu habe ich Kirchen, eine Moschee, eine Synagoge und ein Buddhistisches Kloster an nur einem einzigen Tag besucht, um dort Menschen zu treffen, die mir ihre Religion erklären. Wenn man so wenig Zeit für ein derart komplexes Thema hat, muss man die Inhalte stark komprimieren – also jeweils schnell auf den Punkt kommen, das Wesentliche der Sache hinterfragen. Das war ein hochinteressanter (wenn auch anstrengender) Tag, der die Forschungsreise wert war. Und das Schöne: Es war auch lustig!

In der Sendung experimentieren Sie gern mal im Wohnzimmer. Was sagen Ihre Nachbarn dazu?
Darüber möchte ich lieber nicht sprechen. Mein Vermieter weiß davon nichts. Und das ist vielleicht gut so. Nur so viel: Ich habe gerade eine Brandschutzversicherung abgeschlossen.

Waren Sie immer schon ein neugieriger Typ?
Absolut. Neugier inspiriert. Wie und ob mein Nachbar sein neues Auto bezahlt hat, reizt meine Neugier allerdings nicht im Geringsten. Ansonsten ist sie sehr leicht reizbar. Es gibt ja verschiedene Forschertypen – vom Feldforscher bis zum Laborexperten. Als welchen Forschertypen würden Sie sich bezeichnen?
Eindeutig Feldforscher! Will man eine Sprache lernen, so geht das am besten in dem Land, in dem sie gesprochen wird. Will man etwas über die Wirkungen von Alkohol erfahren, so muss man das in einem kontrollierten Selbstversuch in alltäglicher Umgebung tun. Was ich übrigens getan habe. Und ich kann sagen: Das klingt viel angenehmer als es ist! Alltag ist für viele gleichbedeutend mit Langeweile.


Was fasziniert Sie an Alltags-Phänomenen?
Wenn man Wasser auf dem Mars findet, finde ich das auch sehr interessant. Allerdings kann ich schwer überprüfen, ob das stimmt. Und mein persönlicher Nutzen von Wasser auf dem Mars ist auch recht gering. Ich weiß zwar, dass ich bei meiner nächsten Marsreise eine Badehose mitnehmen muss, aber so richtig viel habe ich nicht von dieser Tatsache. Alltagsphänomene sind näher an mir dran und ich näher an ihnen – ich habe einen persönlichen Bezug und das macht das Ganze schon weniger langweilig.

Sind Alltagsthemen aus dem Leben von Pierre M. Krause überhaupt übertragbar auf andere? Wen interessiert das?
Das interessiert alle, die selber schon einmal Alltag hatten, immer noch Alltag haben oder schon immer mal gerne Alltag gehabt hätten. Und die, die das nicht interessiert, die werden wenigstens gut unterhalten.

Humor und Wissen – wie geht das zusammen?

Sehr gut. Zu einem Wiener Schnitzel passen auch Preiselbeeren vorzüglich und in eine gute Bolognese-Sauce muss Zucker, obwohl der süß ist. Oder gerade deshalb. Man darf sogar klassische Musik hören und dabei lächeln - ja sogar lachen. Humor passt zu vielem, vorzüglich zu Wissen.

Und wie passen Krause und Wissen zusammen?

Meine Kernkompetenz liegt ja nun nicht im Wissenschaftlichen, sondern eher im Humoresken. Da ich für diese Sendung viel ausprobiere und selbst lerne und anpacke, entsteht die Komik automatisch. Wenn auch nicht immer freiwillig. Ich bin quasi fachfremd, weil ich eben keine wissenschaftliche Legitimation außer der angeborenen Neugier besitze.
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